Regie: Moritz Krämer
Buch: Saskia Benter Ortega
Deutschland 2024
100 min, Farbe
KINOSTART: 07. November 2024
Synopsis
KESSE (they/them) und MAY (she/her) sind jung und frisch verliebt. Wenn sie nicht lernen oder arbeiten, dann skaten sie mit ihrer Crew FANNI (20), MARINE (20), KATI (20) und ISAAC (22), dem cis Typ, der cool genug ist, um bei der queeren Crew dabei sein zu dürfen – bis Kesse Mays nervigen, bekifften Bruder PEPE (12) von einer Mauer in den Tod schubst. Nach drei Monaten Abwesenheit scheint niemand auf Kesse gewartet zu haben. May trauert um ihren Bruder und die Crew, vor allem Fanni, die sich als Crew-mum versteht und schon immer eifersüchtig auf Kesse war, unterbindet jede gesunde Annäherung.
Kesse lebt bei QUIRIN (27), dem älteren Bruder, sowie seinem Sohn LUCA (6). Wenn Quirin bei der Arbeit ist, kümmert sich Kesse um Luca, bereitet ihm Frühstück vor, liest ihm Bücher vor oder bringt ihn zur Schule. Während Kesse eine Art Ersatzmutter für den kleinen Luca ist, wachsen die Spannungen zwischen them und Quirin.
Kesse versucht die Schuld bei Mays Mutter SHEILA loszuwerden, sucht Absolution, die they nicht bekommt. Im Gegenteil, Sheila will mit Kesse nichts zu tun haben. Um May zu schützen, stellt sie sogar Kesses psychische Gesundheit in Frage. Kesse sucht Verantwortung und entdeckt bei Mays Hund einen Tumor, den they ungefragt – und mit gestohlenem Geld von Quirin – bei einem Tierarzt entfernen lässt.
Aber egal wie Kesse sich verhält, die Beziehungen zu deren alten Freund*innen heilen nicht. Kesse spürt, dass die Schuld irgendwo hin muss und nimmt sie an.
Hintergrund „Skatecrew“
Der Kern unserer Skatecrew besteht hauptsächlich aus den weiblichen und queeren Mitgliedern der VUM Skatecrew, darunter Lea, Pascale, Marine und Melika. Als vereinte Crew, die in Städten in ganz Europa lebt, haben sie einen sicheren Raum in einer von Männern dominierten Skateboardumgebung geschaffen. Die Mitglieder der Crew haben einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund und kommen aus den Niederlanden, Afghanistan, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Deutschland. Weitere Einblicke in die VUM Skatecrew erhalten Sie in ihrem Interview im Place Magazine und auf Instagram. In DIE FEIGE SCHÖNHEIT wird Kesse nach dem Unfall aus ihrer Gruppe geworfen und verliert den gewohnten, sicheren Raum.
Director’s Note
Was Kesse getan hat, kann they nicht rückgängig machen. They trägt eine schwere Last, hofft, dass jemand verzeiht – vor allem May und dann Kesse sich selbst.
Die Geschichte erzählt eine universelle Angst, die uns alle immer wieder begleitet: Dass etwas Geschehenes nicht rückgängig gemacht werden und danach keine Versöhnung stattfinden kann. Wenn etwas schief läuft, wird man aus dem Paradies vertrieben, atomare Kriege brechen aus, ein Virus rafft alle dahin, der Planet erstickt am CO2. Wer verzeiht, rettet nicht die Welt, aber lässt hoffen, dass wir Gut sind. Die Protagonisten stehen im Nebel. Sie kämpfen mit sich selbst und ihrer Existenz. Kesse spürt erst nach und nach, dass they Absolution sucht. Die Gefühle zu May lassen Kesse nicht klar denken und überschatten their Handeln.
Inspiriert wurden wir bei der Stoffentwicklung von Filmen wie „Waves“ oder „Moonlight“, die den Fokus auf die Innenwelten der Protagonisten lenken. In „Mid90s“ sind uns die Dialoge, der Umgang mit der Jugendsprache und die Gruppendynamik Inspiration gewesen. Unsere Protagonist*innen handeln, ähnlich wie bei den Figuren in den Filmen der Dardenne Brüder, aus einer körperlichen Aktion und Impulsivität heraus.
Besetzt ist der Film mit Laien und Schauspielern. Die Skatecrew in unserer Geschichte besteht vor allem aus Skater*innen der queeren Crew VUM. Sie erschaffen sich als Crew sichere Räume, in denen sie in einem männlich dominierten Umfeld skaten können. Kesse wird nach dem Unfall aus der Crew ausgeschlossen und verliert damit diesen sicheren Raum. „Skateboarding is about being stupid“, hat Pascale bei einer Probe gesagt. Wer krass ist und geile Tricks zeigt, ist dabei, egal in welcher Crew. Durchlässigkeit gibt es nur für Skills. Kesse bricht sich am Ende dafür den Arm, verzeiht allen, damit them verziehen wird.
Cast
- Kesse: Pascale Numan
- May: Sira-Anna Faal
- Fanni: Lea Meny
- Marine: Melika Nazari
- Kati: Marine Bourdais
- Isaac: Ludwig Schubert
- Sheila: Melika Foroutan
- Quirin: Max Hubacher
Team
- Autorin: Saskia Benter Ortega
- Regie: Moritz Krämer
- Kamera: Greta Isabella Conte
- Szenenbild: Olga Gredig, Paul Schille
- Kostüme: Wiebke Christin Lebus
- Sounddesign: Duc Anh Nguyen
- Schnitt: Evelyn Rack
- Musik: Moritz Krämer
- Producerin: Maritza Grass
- Produzent: Jost Hering
- Reakteur: Jörg Schneider
Eine Produktion der Jost Hering Filme in Koproduktion mit dem ZDF, der Filmuniversität Babelsberg und der dffb
Arbeitsvita Regie
- 2024 Die feige SChönheit
- 2015 Bube Stur
- 2012 Eat
- 2011 Schub
- 2011 Vorsprechen
Moritz Krämer wurde 1980 in Basel in der Schweiz geboren. Er begann seine Reise mit einem Studium der audiovisuellen und verbalen Kommunikation sowie der Kunst- und Kulturwissenschaften an der der Universität der Künste Berlin. Im Jahr 2008 begann er sein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sein Kurzfilm EAT (2012) erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den renommierten Murnau-Kurzfilmpreis, und wurde auf über 300 Filmfestivals gezeigt. Sein Debüt Spielfilm BUBE STUR (2015) feierte seine Premiere auf der Berlinale – Perspektive Sektion Deutsches Kino. Neben seiner Arbeit im Filmbereich ist Moritz auch als Texter tätig, Komponist und Sänger der Band DIE HÖCHSTE EISENBAHN und arbeitet als Videokünstler und musikalischer Leiter für verschiedene Theater. DIE FEIGE SCHÖNHEIT ist sein zweiter Spielfilm und sein Abschlussprojekt an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin.


