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Kokon

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  • von Leonie Krippendorff
  • Deutschland 2019, 95 Minuten
  • Kamera: Martin Neumeyer
  • Produzent: Jost Hering
  • Mit: Lena Urzendowsky (Nora), Jella Haase (Romy), Lena Klenke (Jule), Elina Vildanova (Aylin)

  • Szenenbild: Josefine Lindner
  • Kostüme: Ramona Petersen
  • Ton: Achim Burkart
  • Redaktion: Jörg Schneider (ZDF)
  • Weitere Besetzung: Denise Ankel (Ayse), Helene Grass (Sexualkundelehrerin), Kim Riedle (Frau Novak), Anja Schneider (Vivienne) und viele andere
  • Eine Produktion der Jost Hering Filme (Berlin) in Co-Produktion mit Zweites Deutsches Fernsehen gefördert vom Kuratorium Junger Deutscher Film und dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem DFFF im Verleih der Edition Salzgeber
  • Mit Unterstützung der “Berlinale Talents Script Station 2018”
Synopsis

Der Sommer 2018 ist ein Jahrhundertsommer. Am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg, inmitten gebrochener Biografien und unterschiedlichster Kulturen, bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg ins Erwachsenwerden. Während die heiße, klebrige Luft um Nora herum nach Schweiß riecht, bekommt sie das erste Mal ihre Periode, lernt zu sich zu stehen und verschenkt ihr Herz an die außergewöhnliche Romy. Mit ihr wirkt der Kreuzberger Mikorkosmos, in dem Nora aufwächst, plötzlich endlos groß und voller unscheinbarer Schönheit. Wie kann Nora ihren Blick für diese Schönheit bewahren, nachdem ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde?

KOKON ist nach LOOPING der zweite Langfilm von Leonie Krippendorff.

Regiestatement

„Ich bin Berlinerin“. Heute ruft dieser Satz oft begeisterte Reaktionen hervor, denn aus einer Stadt zu kommen, welche zu den momentan spannendsten der Welt zählt, klingt erstmal toll. Mich machen diese Reaktionen verlegen. Berlin war für mich und meine Freunde nicht immer ein einfacher Ort zum Aufwachsen. Wir alle hatten chaotische familiäre Hintergründe: Lena wuchs in einer Eckbar auf, Zora vorübergehend im Frauenhaus, bei Alis Vater platzte ständig das Konto und bei Lucas’ Mutter im Flugzeug die Silikonbrüste. Trotz alledem erinnere ich mich an meine Kindheit und Jugend als eine zwar schwierige, aber auch sehr schöne und vor allem absolut freie Zeit.

Nora wächst 20 Jahre später als ich in Kreuzberg auf. Ihre Generation ist nicht vergleichbar mit meiner. Ich kannte als Teenager keine Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, und ich bin froh darüber, weil ich meine Identitätsfindung in der Pubertät schon ohne die permanente mediale Sichtbarkeit schwierig genug fand. Für Noras Generation ist diese Sichtbarkeit längst völlig normal.
Trotzdem scheint die Pubertät etwas Zeitloses zu sein. Nora beschäftigt sich, zwei Generationen nach mir, immer noch mit den gleichen Themen: Wer bin ich, was ist das für eine Welt, wie möchte ich mich in ihr positionieren und wen will ich Lieben?

Die Leerstellen, die diese großen Fragen aufwerfen und die uns oft bis ans Ende unseres Lebens weiter begleiten – denn sie wollen immer wieder neu beantwortet werden – versucht Noras Generation mit Hilfe des Internets zu füllen. Ihre Generation ist die erste, die mit einer digitalen Selbstverständlichkeit aufwuchs, welche im Erwachsenenalter nicht mehr erlernt werden kann. Dieser Fakt schafft eine unsichtbare Lücke zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen, die als Identifikationsfiguren im Alltag nicht mehr in Frage kommen.

Noras sich verändernder Mädchenkörper kann an nichts Anderem abgeglichen werden, als an der unerreichbaren, künstlichen Perfektion, die in den Medien und sozialen Netzwerken vom Frau-Sein vermittelt wird und der die Mädchen in Noras Alter gerne entsprechen wollen. Doch Nora empfindet kein Bedürfnis diesem Frauenbild nachzueifern. Erst als Romy in ihr Leben tritt, findet Nora den Weg zu ihrer eigenen Weiblichkeit – und zu ihrer Liebe.

Ich glaube KOKON ist eine wichtige Geschichte. Sie erzählt von starken Mädchen, die sich – umgeben von schwierigen Biografien und Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen – einen Weg durch den „Kreuzberger Dschungel“ schlagen. Sie erzählt davon, wie befreiend es ist, medial erschaffene Körperbilder abzustreifen und sich das erste Mal wirklich zu spüren. Sie erzählt von der Akzeptanz für sich selbst und dem Zusammenhalt zwischen zwei Berliner Mädchen, die den Park zum Wald, das Freibad zum Meer und den Sandkasten zum Strand machen.