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Kokon

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  • von Leonie Krippendorff
  • Deutschland 2019, 94 Minuten, deutsche OF, FSK 12
  • KOKON läuft bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Sektion Generation.
  • Montage: Emma Alice Gräf
  • Bildgestaltung: Martin Neumeyer
  • Produzent: Jost Hering
  • Mit: Lena Urzendowsky (Nora), Jella Haase (Romy), Lena Klenke (Jule), Elina Vildanova (Aylin), Anja Schneider (Vivienne)

  • Szenenbild: Josefine Lindner
  • Kostüme: Ramona Petersen
  • Mischung & Tongestaltung: Christoph Walter
  • Musik: Maya Postepski
  • O-Ton: Achim Burkart
  • Redaktion: Jörg Schneider (ZDF)
  • Weitere Besetzung: Denise Ankel (Ayse), Helene Grass (Sexualkundelehrerin), Kim Riedle (Frau Novak), Anja Schneider (Vivienne) und viele andere
  • Eine Produktion der Jost Hering Filme (Berlin)
  • in Co-Produktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel
  • gefördert vom Kuratorium Junger Deutscher Film, Medienboard Berlin-Brandenburg und Deutschen Filmförderfonds (DFFF)
  • Mit Unterstützung der “Berlinale Talents Script Station 2018”
  • im Verleih der Edition Salzgeber
  • Nominiert für die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis LOLA 2020
  • Ausgezeichnet mit „Prädikat besonders wertvoll“
  • Ab 30. April im Kino
Synopsis

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen. Mit ihr wirkt die Welt plötzlich endlos groß und voller verborgener Schönheit, der Park wird zum Dschungel, das Freibad zum Meer. Nora lernt, zu sich zu stehen und traut sich endlich Wege abseits der Clique ihrer älteren Schwester Jule zu gehen. Doch wie kann Nora ihren Blick für all diese Schönheit bewahren, nachdem ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde?

In ihrem zweiten Film „Kokon“ erzählt Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben Newcomerin Lena Urzendowsky begeistern Kinostar Jella Haase („Fack ju Göhte 1-3“), die bereits in Krippendorffs preisgekröntem Langfilmdebüt LOOPING die Hauptrolle gespielt hat, und Lena Klenke („How to Sell Drugs Online (Fast)“). Ein Film über wilde Mädchen, die sich von den Körperbildern der allgegenwärtigen sozialen Netzwerke emanzipieren und erst so herausfinden, wer sie sein wollen.

Regiestatement

„Ich bin Berlinerin“. Heute ruft dieser Satz oft begeisterte Reaktionen hervor, denn aus einer Stadt zu kommen, die zu den momentan spannendsten der Welt zählt, klingt erst mal toll. Dabei war Berlin für mich und meine Freunde nicht immer ein einfacher Ort zum Aufwachsen. Wir alle hatten chaotische familiäre Hintergründe: Lena wuchs in einer Eckbar auf, Zora vorübergehend im Frauenhaus, bei Alis Vater platzte ständig das Konto und bei Lucas‘ Mutter im Flugzeug die Silikonbrüste. Trotzdem war unsere Kindheit und Jugend eine Zeit der absoluten Freiheit.

Nora wächst 20 Jahre später als ich in Kreuzberg auf. Ihre Generation ist nicht vergleichbar mit meiner. Ich kannte als Teenager keine Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, und ich bin froh darüber, weil ich meine Identitätsfindung in der Pubertät schon ohne die permanente mediale Sichtbarkeit schwierig genug fand. Für Noras Generation ist diese Sichtbarkeit längst völlig normal.

Trotzdem scheint die Pubertät etwas Zeitloses zu sein. Nora beschäftigt sich, zwei Generationen nach mir, immer noch mit den gleichen Themen: Wer bin ich, was ist das für eine Welt, wie möchte ich mich in ihr positionieren und wen will ich lieben?

Die Leerstellen, die diese großen Fragen aufwerfen und die uns oft bis ans Ende unseres Lebens weiter begleiten – denn sie wollen immer wieder neu beantwortet werden –, versucht Noras Generation mit Hilfe des Internets zu füllen. Ihre Generation ist die erste, die mit einer digitalen Selbstverständlichkeit aufwuchs, welche im Erwachsenenalter nicht mehr erlernt werden kann. Dieser Fakt schafft eine unsichtbare Lücke zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen, die als Identifikationsfiguren im Alltag nicht mehr infrage kommen.

Noras sich verändernder Körper kann an nichts anderem abgeglichen werden als an der unerreichbaren, künstlichen Perfektion, die in den Medien und sozialen Netzwerken vom Frau-Sein vermittelt wird und der die Mädchen in Noras Alter gerne entsprechen wollen. Doch Nora empfindet kein Bedürfnis, diesem Frauenbild nachzueifern. Erst als Romy in ihr Leben tritt, findet Nora den Weg zu ihrer eigenen Weiblichkeit – und zu ihrer Liebe.

Ich glaube, „Kokon“ erzählt eine wichtige Geschichte. Es ist eine Geschichte davon, wie befreiend es ist, medial erschaffene Körperbilder abzustreifen um sich das erste Mal wirklich zu spüren. Und eine Geschichte von zwei wilden Berliner Mädchen, die sich ihren Weg durch den „Kreuzberger Dschungel“ schlagen und den Park zum Wald, das Freibad zum Meer und den Sandkasten zum Strand machen.

Biografie Leonie Krippendorff

Leonie Krippendorff (Buch & Regie), geboren 1985 in Berlin. Von 2009 bis 2016 studierte sie Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf. Ihr Abschlussfilm LOOPING war für zahlreiche nationale und internationale Filmpreise nominiert und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Februar 2018 wurde das Drehbuch für ihren Debütfilm „Kokon“ für die „Berlinale Talents Script Station 2018” ausgewählt. 2019 war sie Jurymitglied beim Filmfestival Max Ophüls Preis. Aktuell schreibt sie an zwei neuen Spielfilmprojekten.

Filmografie

2012: „Streuner“ (Kurzfilm)

2013: „Teer“ (Kurzfilm)

2016: „Looping“

2020: „Kokon“

Impressionen von der Weltpremiere auf der Berlinale 2020

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  • Fotos: Max Kullmann / Jan Kraus, Berlinale